Leidenschaft, Minimalismus und Pop: die Herbst-/Winterausstellung der Galerie Böhner am Mannheimer Willy-Brandt-Platz

 

bild-eröffnungWie der Einladungskarte zur aktuellen Ausstellung der Galerie Böhner im Signal-Iduna-Business Tower am Willy-Brandt-Platz in Mannheim zu entnehmen ist, haben wir es hier mit einer Mehrzahl von Künstlerinnen und Künstlern zu tun, die aus Österreich, genauer gesagt aus Graz kommen. Die Verbindungen zwischen der Galerie Böhner und Graz sind nicht zufällig. So waren ClausPeter Böhner-Fery mit seinem Team bereits auf der Grazer Kunstmesse präsent. Aus diesen Kontakten ergaben sich wiederum Möglichkeiten des Brückenschlags.

Wer Graz kennt, weiß wie sehr sich gerade im Hinblick auf Kunst und Kultur Verbindungen dorthin lohnen. Graz selbst hat ein sehr vielfältiges Kulturleben. Der Baustil und das Ambiente ist ganz  von der k.u.k. Zeit geprägt. In Graz spürt man deutlicher als in jeder anderen österreichischen Stadt die Synthese zwischen Ost- und Westeuropa.

Graz wurde nicht zu Unrecht zu Beginn des 3. Jahrtausends mit dem Titel “Kulturhauptstadt Europas” geehrt. Sie ist tatsächlich eine Kulturstadt, die nicht nur den Okzident mit dem Orient verbindet, sondern auch das gestern mit dem heute.

Grazer Künstler in Mannheim: das sind im einzelnen in alphabetischer Reihenfolge: Edeltrude Arleitner,  Herbert Bauer, Clemens Höfler, Brigitte Kolleger, Lore Lambauer, Margit E. Liska, Volker Pansi, Doris Pansi-Lobenwein, Hilda M. Pasch, Ilsetraud Riegler, Fridrun Schuster und Heinz Tischer. Jede und jeder der hier genannten Künstler verfolgt seinen eigenen Stil, ist eigenwillig und ausdrucksvoll.

paarDies trifft natürlich auch auf die Arbeiten der Künstler zu, die nicht aus Graz stammen, wie zum Beispiel Eva Maria Paar, ebenfalls Österreicherin, jedoch aus Linz, wo sie 1977 geboren wurde. Sie malt seit einigen Jahren und trotz dieser relativ kurzen Zeit hat sie erstaunliche Werke hervorgebracht. Zum Beispiel die Starlet-Serie. Hier geht es um Frauen, in Illustriertenposen. Körper, die faszinieren und Blicke auf sich ziehen. Die Posen fließen wie von selbst. Die Professionalität ist zu spüren. Durch die Art der Darstellung, die geschickt mit der Assoziationskraft des Auges spielt, versetzt uns die Künstlerin in die Perspektive des Voyeurs, Laura Sernagiottoder durch die Jalousien blickt. Von ganz anderer Art sind die Objekte, die sich Laura Sernagiotto ausgesucht hat. Mit einem geradezu mikroskopischen Blick analysiert sie die Schönheit der Insekten. Wie kaum ein anderes Material eignet sich die Öllasur dazu, diese hauchzarten Details technisch umzusetzen. Interessant ist hier nicht zuletzt das  Gespür für die Vielgestaltigkeit dieser zarten Wesen, die aus dieser Perspektive gesehen wie Geschöpfe der Star-War-Autoren erscheinen und doch von unserer Welt sind. Durch die Monochromie und den durch die einheitliche Farbgebung  beruhigten Hintergrund mildert die Künstlerin die bedrohliche Wirkung der Insekten ab.

Fridrun SchusterDie ebenfalls kosmisch orientierten Arbeiten von Fridrun Schuster imponieren durch die Leuchtkraft der Farben, die erzeugt wird durch eine Technik, die sie Acryllith nennt. Dabei entsteht auf Acryl eine Art Hinterglasmalerei, die die Leuchtkraft der Farbe verstärkt.

 

Lore LambauerGeht es den drei zuletzt genannten Künstlern um die Frage, wie unsere Wahrnehmung beschaffen ist, spielt bei Lore Lambauer vor allem die Empfindung eine Rolle, die bei ihren hier ausgestellten Bildern im Mittelpunkt steht. Wie viele Künstler arbeitet auch sie in Zyklen und so kann man die hier ausgestellten Bilder nicht unbedingt verallgemeinernd auf das Gesamtwerk übertragen. In dem hier ausgestellten Zyklus hat sie eine Formensprache gefunden, die es ihr möglich macht, solche tiefe Empfindungen wie Liebe, Hass und andere Leidenschaften theatralisch darzustellen und so für den Betrachter erlebbar und erfahrbar zu machen.

 

Marina AntonLeidenschaft, die unbedingt zur Kunst gehört und die man braucht, um eindrucksvolle Werke zu schaffen spürt man in den Bildern von Marina Anton. Vor allem die Rottöne gelingen ihr gut. Bei ihr geht es um Feuer, Glut und Samba Rhythmen.

In einem gewissen Sinn bilden hierzu die in sich ausgewogenen, ruhigen Kompositionen von Heinz Tischer den Gegenpol. Hier sind die Formen organisch ineinander verflochten und die Oberfläche ist so strukturiert, dass sie zu sprechen beginnt, wenn sich der Betrachter auf die Ausgewogenheit dieser Bilder einlässt.

Bei Clemens Höfler ist es der fotografische Minimalismus, der bei seinen Bildern zur Wirkung kommt. Er zoom den Betrachterblick auf einen minimalen Ausschnitt, der für das Ganze steht und dem Bild auch sein spezifisches, farbliches Gepräge verleiht. Das Thema ist hier die Natur, die hier unter der verfremdeten Perspektive einen ganz eigenen Zauber entfaltet.

pansi-lobenweinGeht es bei dieser Künstlerin eindeutig darum, den Einblick in den Mikrokosmos zu erweitern, geht es bei dem Künstlerehepaar Doris Pansi-Lobenwein und Volker Pansi um den Makrokosmos.

Dieses wahrlich große Thema wird von beiden Künstlern auf unterschiedliche Art und Weise behandelt. Neben eindrucksvollen Venedigbildern der Künstlerin, die hier in der Ausstellung zu sehen sind, gibt es phantasievolle Strukturen, die außerhalb unserer Vorstellungen von Raum und Zeit angesiedelt sind. Strukturen, die ihre Schönheit  aus sich selbst heraus entfalten,  ohne direkten Bezug auf die sinnliche Wahrnehmung als solches. Ein ähnlichen Zugang gibt es auch bei Volker Pansi. Pansi bringt, indem er den Umriss des menschlichen Auges wie ein Volker PansiRaster über die Malfläche legt und so den Menschen als Betrachter in das Geschehen einbringt. Aus den hier ausgestellten Arbeiten ergibt sich eine Reihenfolge, die sich von den Anfängen, von der Entstehung des Kosmos, bis hin zur Zerstörung unseres Planeten durch menschliche Schuld erstreckt.

Laura Sernagiotto

Margit LiskaSehr aufschlußreich wirken die Blumenbilder von Margit Liska auch deswegen, weil sie sie mit abstrakt ausgestalteten Flächen zusammenbringt. Naomi King aus der Schweiz steuert „Lebensbilder“ zu der Ausstellung bei, die ihre Leuchtkraft auf Papier entwickeln und bei der sich eine Wechselwirkung zwischen Farbe- und Energiematerialität einstellt. Die energetische Wirkung des Materials steht für Brigitte Kolleger ebenfalls an zentraler Stelle ihrer Bildfindung. Sie stellt ihre Farben aus fein zerriebenen Pigmenten selbst her. Die Leuchtkraft und das Material entwickelt hier ein Eigenleben.

Clemens Höfler

Clemens Höfler

Heinz Tischer

Spannend in dieser Richtung sind ebenfalls die Arbeiten von Hilda M. Pasch, die auf dem schmalen Pfad zwischen Abstraktion und Realismus wandelt. Sie hält hier die Waage und entwickelt eine Art Komplexbild, in denen die Szenen wie bei einem angehaltenen Film ineinander geblendet werden.

Die Ausstellung wird belebt durch Skulpturen und Objekte, die ebenfalls wie die Bilder von ganz gegensätzlicher Art erscheinen. Da gibt es beispielsweise die popig, knallig, witzigen Figuren von Ilsetraud Riegler, die die Räume bevölkern. Ein Pendant bilden hierzu die archaisch wirkenden Terrakotten von Edeltrude Arleitner.

Hilda M Pasch
Ilsetraud Riegler
Edeltrude Arleitner

Hilda M. Pasch

Ilsetraud Riegler

Edeltrude Arleitner

Und schließlich last but not least Herbert Bauer, der mit seinem Zyklus Friedensreich Hundertwasser, einem der wohl bekanntesten österreichischen Künstler der neueren Zeit, seine Referenz erweist.

Ein spannender Abend erwartet uns also mit vielen ausgezeichneten Werken der oben genannten Künstlerinnen und Künstler und darüber hinaus Arbeiten der ART CLUB FORUM-Künstler Marina Anton, Claudia Bäcker-Kirmse, Balamon, Karin Baumeister-Rehm, Thomas Klein, Magdalena Madlinger, Gerold Maier, Michaela Nagel, Matthias Neuthinger, Ulrike Ritter und Carmen Strittmatter Varo.

Neu mit dabei im ART CLUB Forum der Galerie Böhner sind diesmal die Künstler Thomas Klein, Magdalena Madlinger, Gerold Maier und Matthias Neuthinger. Während Thomas Klein mit einem Zyklus von kleinformatigen Fotografien in Farbe und Schwarzweiß vertreten ist, der den Oberbegriff „Lichtspiele“ trägt und durch einen experimentellen Charakter überzeugt, zeigen Magdalena Madlinger, Gerold Maier und Matthias Neuthinger Malerei: Madlinger eher traditionell angehauchte Landschaften in ÖL, Maier fast monochrome und zarte Abstraktionen in hellen Farben mit Pinsel und Spachtel gearbeitet sowie Neuthinger einen farbenfrohen Bilderzyklus in Acryl auf Leinwand, der durch eine „Leichtigkeit des Seins“ als auch durch das Spiel mit dem unterschiedlichen Format besticht. Während Thomas Klein, Gerold Maier und Matthias Neuthinger in Mannheim und Umgebung als bildende Künstler leben und arbeiten, kommt Magdalena Madlinger aus Waldenburg in der Schweiz.

Margit Liska

Brigitte Kollegger
Herbert Bauer

Dr. C.-P. Böhner-Fery & Brigitte Kolleger

Herbert Bauer

Text & Fotos:

Peter Burgas & Dr. Helmut Orpel

 

Die Ausstellung dauert bis zum 10.02.2008

Öffnungszeiten: Mo-Fr. 9.00 - 17.00 Uhr

sowie nach telefonischer Absprache

Signal Iduna Business Tower

Prof. Homburg & Partner

J&M Consulting AG * Willy-Brandt-Platz 5+6

Galerie Böhner * Dr. Claus-Peter Böhner-Fery * G7/7

D-68159 Mannheim * fon/fax 0049 (0)621/1566570

www.galerie-boehner.de

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Thomas Klein

Magdalena Madlinger

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Gerold Maier

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Matthias Neuthinger

Fotos der Vernissage vom 28. September 2007

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Heinz Tischer

Thomas Klein

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Naomi King