Die Herbst/Winterausstellung der Galerie Böhner am Willy-Brandt-Platz: Altbekanntes und besondere Entdeckungen
Die Herbst/Winterausstellung der Galerie Böhner im Signal-Iduna-Business-Tower zeigt unterschiedliche Aspekte zeitgenössischer Malerei. Verwirrend erscheint zunächst die Vielfalt in den renovierten Räumen der Galerie, durch die man sich zuerst einmal durcharbeiten muss. Man sollte also etwas Zeit mitbringen beim Gang durch die Ausstellung. Das ist zur Orientierung notwendig.

auf, einerseits als ästhetisches Gestaltungsmittel, andererseits als Symbole für die Meinungsvielfalt, die durch Zensur und Konformismus gerade heute bedrohter denn je erscheint. Eines der Bilder von Ank ter Kuile wirkt gewissermaßen als Verweis auf die Pressefreiheit, die für unser demokratisches Selbstverständnis grundlegend ist.
Neben diesen direkten Verweisen auf die Wirklichkeit gibt es eine Reihe informeller Bilder wie die von Marleen Hansen. Die intensiven Farben, das tiefe Blau beispielsweise, spricht die Sinne an und berührt das Einfühlungsvermögen. Deutlich ist hier der Pinselduktus, der die Kompositionen mit Spannung auflädt und auf den Schöpfungsakt verweist.


Beginnen wir unseren Gang durch die Ausstellung mit Ank ter Kuile. Sie orientiert sich am Prinzip der Collage, das sie gewissermaßen malerisch umsetzt. Dabei schafft sie einen Brückenschlag zu anderen Medien wie Film oder zum Verlagswesen. Zeitungen tauchen
Hinter der augenscheinlichen Leichtigkeit von Erica Frommes Bildern steht nicht nur das oberflächlich Schöne, sondern steckt die Erkenntnis, dass alles Seiende seine Zeit hat. Ein Thema ist hier “Athenes Tempel”, Artefakte vergangener Kulturen, die in der Erinnerung und somit in den Bildern ihre Spuren hinterlassen haben. Erica Fromme hat eine besondere Technik entwickelt und baut ihre Bilder aus zahlreichen Schichten auf, die immer wieder über- und umgearbeitet werden. Auf diese Weise entsteht ein dichtes Netz von Eindrücken.

Bei Victor Majdandzics Arbeiten spürt man deutlich seinen Bezug zu den konkret konstruktiven Künstlern. Er hat die Kunstakademie in Belgrad besucht und hat dort seine Vorprägung erfahren. 1969 emigrierte er in die Niederlande. Bezüglich des konstruktiv Konkreten ist er alles andere als ein Purist, wie sie an den Verlaufsformen der Farbe in seinen Bildern wahrnehmen können. Man kann hierin aber auch die ewige Präsenz der Natur erkennen und in den Bildern eine Allegorie auf den Widerstreit zwischen dieser unendlichen Natur auf der einen Seite und dem geradezu lächerlich anmutenden Versuchen des Menschen, über die Technik diese Natur zu beherrschen, sehen. Der Künstler setzt diese Gestaltungsprinzipien spielerisch um. Geschickt wechselt er bei der Konstruktion zwischen dreidimensionaler Zeichnung und flächigem Farbfeld.

Effi Kiefer lässt die Farben fließen und lässt das Unbewusste sprechen. Sie steuert den Fluss und greift so wenig wie möglich ein. Dabei entstehen Formen, die an Mikrokosmen erinnern, an Amöben oder andere mikroskopisch kleine Lebewesen, die man mit bloßem Auge nicht erkennt.

Olav Körners Spezialität ist der Siebdruck, den er meisterhaft beherrscht. Hier in der oberen Etage finden Sie einiger Beispiele aus seiner Werkstatt, die auf das Vorbild Andy Warhol verweisen, das bei der Entwicklung des Künstlers unübersehbar Pate stand. Der Siebdruck ist eine Technik, die sich wunderbar seriell umsetzen lässt. Durch abwechselnde Farbigkeit lassen sich ganz phantastische Wechselwirkungen herausarbeiten. Auch das Ausschnitthafte weiß Körner für seine bewusst plakativ gehaltenen Arbeiten zu nutzen. Die Linie, der Rasterpunkt sind hier die adäquaten Gestaltungsmöglichkeiten.

Bei Melanie Groothuis lebt die Bewegung und löst die Figuren fast völlig in der Hintergrundfarbe auf.

Heike Dubis Acrylarbeiten sind ziemlich kräftig und voller Leuchtkraft, die durch die Überlagerung der im gleichen Ton gehaltenen Farbfelder entsteht.
In diesem Ausstellungsbereich finden wir auch zwei Malerinnen, die von ihrer Technik her ein Gegensatzpaar bilden,


Ähnliche Tendenzen finden wir auch in den Arbeiten von Antoinette Lüchinger. Auch sie geht hier ähnlich vor und thematisiert das Wechselspiel zwischen Hintergrund und Figur. Sie lässt Farbräume entstehen, die sich die Figur, in diesem Falle sind es oft Bäume, regelrecht einverleiben. Symbolisch betrachtet stehen hier die Bäume für das menschliche Leben, für das Werden und Vergehen.
nämlich Annemarie Rudolph und Manuella Muerner-Marioni.

synthetische Gebilde, die in Farbe und Form an Niki de Saint Phalle erinnern.
Zu Annemarie Rudolf ist noch zu sagen, dass sie in die Mannheimer Ausstellung einen Aquarelle integriert hat, bei dem sie umgekehrt wie bei den gemischten Techniken sehr viel Wert auf das Vakuum legt, auf die farblich nicht ausgefüllten Räume, die aber dennoch durch die Anlage der Figuration als Bildraum definiert werden.
Die Berlinerin Hannelore Hippler ist eine Koloristin, die weniger auf die Zeichnung als auf die Farbgebung und auf die Wirkung der Kontraste ihr Augenmerk richtet. Besonders beeindruckend ist sie dort, wo wir weite Landschaften erahnen, Landschaften, in deren Ferne Himmel und Erde verschmelzen.
Während Annemarie Rudolf sich ganz auf den Naturstoff bezieht und in ihre Bilder sogar Sande aus den Weltgegenden, die sie bereist hat, mit einbezieht, schafft Muerner-Marioni


Christiane Lange arbeitet mit hellen Farben und lässt so ein sphärisches Licht entstehen, das ihren Kompositionen einen surrealen Glanz verleiht


Sibylle Mertsch setzt sich in ihren Studien offensichtlich mit dem Kubismus auseinander und sucht hier einen Zugang zu dieser großen historischen Kunstrichtung.
Sehr beeindruckend wirken die kopfartigen Kompositionen von Harry de Haan aus den Niederlanden. Dass die zeitgenössische Kunst, wie im Zusammenhang mit Sibylle Mertsch bereits erwähnt, nicht ganz ohne den historischen Bezug auskommen kann, erahnt man auch hier. Jedenfalls kann sich der Betrachter nicht ganz von dem Déjà -vu Karel Appel lösen, dessen Kopfbilder hier in einer sehr viel positiveren, zeitgemäßeren Form zum Vorschein kommen.

Elke Bührig-Blumenröther pflegt eine optimistisch spielerische Linie mit ihren Übermalungen, den Durchbrüchen, worunter man spielerische Puzzle vermuten kann.


Auch Andrea Flätgen bedient sich der Übermalung und arbeitet mit dem Bilderraum, der durch die Farbakzente als Lichtraum wirkt.
Als eine ganz besondere Entdeckung erweisen sich die Arbeiten der jungen Münchner Künstlerin Simone Ari. Sie wirken wie realistische Figuren aus französischen Schwarz-Weiß-Filmen der frühen sechziger Jahre. Nur belässt sie es dabei nicht, sondern führt die filmische Formensprache in Malerei über und lässt die unterschiedlichen Eindrücke miteinander verschmelzen.

Die Ausstellung dauert bis zum 10. Februar 2013
Öffnungszeiten:
Mo-Fr 9-17 Uhr sowie nach Vereinbarung
Ausstellungsraum:
Galerie Böhner
im Signal Iduna Business Tower
Willy-Brandt-Platz 5
D-68161 Mannheim
Galerie Böhner
Gerold Maier Marketing
G 7, 7
D-68159 Mannheim
fon/fax 0049 (0) 621-1566570
Text: Dr. Helmut Orpel
Fotos: Gerold Maier & Dr. Claus-Peter Böhner-Fery


