Figuren, Farben, Fantasien: Neue Arbeiten von Sabine Nelles in der Galerie des Steubenhof Hotels in Mannheim
‚Nicht den Gegenstand malen, sondern die Wirkung, die er erzeugt’(Stephane Mallarmé). Darum geht es der Künstlerin Sabine Nelles in ihren Werken: Dass ihre Bilder den Betrachter „berühren“, dass er eigene Erlebnisse vielleicht darin wiederfindet oder neue, spontane Eindrücke und Empfindungen für sich entdeckt, dass er unter Umständen sogar zu einer eigenständigen Interpretation ihres Werkes findet. Auf diese Weise entsteht die von ihr erwünschte Interaktion, die den Raum der persönlichen Erfahrung auf beiden Seiten erweitert. Sabine Nelles ist auf ihren Reisen vielen Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen begegnet. Begegnungen, die häufig unmittelbar „in ihre Bilder wirken“. Mehrjährige Aufenthalte in Kanada, Frankreich und im Kosovo, Reisen in Länder Afrikas, quer durch Europa, nach Nord- und Südamerika sowie in die Türkei führten seit 1977 zu einem komplexen, bildnerischen Schaffen. Ihre Beobachtungen des alltäglichen Lebens finden dabei ihren Ausdruck in einer unverkennbaren, eigenen Farb- und Bildersprache auf einem hohem künstlerischen Niveau. Neben einer moderat gegenständlichen Herangehensweise an die Themen gibt es auch die gänzlich abstrakte, nicht weniger spannende Umsetzung dieser Erlebnisse im Werk der Künstlerin.
Sabine Nelles wurde 1948 geboren, ist verheiratet und hat drei Kinder. Sie lebt und arbeitet als Malerin in Bensheim an der Bergstraße. Zahlreiche Einzel- und Gemeinschaftsausstel-lungen im In- und Ausland markieren ihren künstlerischen Weg.
Interview mit der Künstlerin Sabine Nelles anlässlich der Vernissage Ihrer Ausstellung
„Farben, Figuren, Fantasien“
Im BEST WESTERN Hotel Steubenhof, Mannheim
am 12. Oktober 2007 durch Doris Bambach, Malerin und Grafikerin
Liebe Gäste und Kunstfreunde,
Sie haben ja sicher schon einen Rundgang im Hotel gemacht, vorbei an den Bildern von Sabine Nelles. Ich finde, dass sie wie geschaffen sind für dieses Ambiente. Im Hotel ist natürlich immer Menschenbegegnung und Bewegung durch Gäste und Hotelangestellte. So wirken die Arbeiten von Sabine Nelles wie Spiegelbilder aus dieser Versammlung von Menschengruppen: durchreisend, tagend, geschäftsmäßig. Die lebendige Farbigkeit stimmt fröhlich und bringt, trotz der eigentlich statischen Figuren, eine gewisse Dynamik ein. Mich erinnert diese Ausstellung an einen Roman von Vicki Baum, von 1929, der auch verfilmt wurde, nämlich „Menschen im Hotel“. Darüber wollen wir aber jetzt keine Lesung halten, sondern viel lieber Frau Nelles interviewen, wie Sie selbst Ihr Werk sieht und dadurch Einblick nehmen lässt, in Ihre Arbeitsweise und Ihren Intentionen.
Liebe Sabine, da wir uns kennen aus dem Kreis der bildenden Kunst, werde ich Dich jetzt duzen. Du bist 1948 geboren, verheiratet, hast drei erwachsene Kinder und lebst in Bensheim an der Bergstraße. Seit 1977 bist Du der Malerei zugetan, mit Kursen bei verschiedenen Lehrmeistern. Du hattest viele Ausstellungen im In- und Ausland, und bist Preisträgerin bei drei Wettbewerben.
DB: Natürlich grundlegend wie üblich, frage ich Dich, wie und warum bist Du zur Malerei gestoßen, weil ich weiß, dass Du eine andere Berufwahl zunächst getroffen hast?
SN: Ich habe mich schon vor meiner künstlerischen Tätigkeit sehr für Kunst interessiert und viele Ausstellungen besucht. In Kanada begegnete ich der Tiffanytechnik für Glasarbeiten, die mich auf Anhieb faszinierte. Es entstanden eine Vielzahl von Arbeiten, auch von eigenen Entwürfen. Ich war Kursleiterin bei der VHS in Olpe/Sauerland wodurch ich auch zum Zeichnen und Malen angeregt wurde.
DB: Du hast also viele Kurse und Seminare besucht und fortschreitend Deine künstlerischen Fähigkeiten erweitert. Aber auch Deine Reisen in europäische und exotische Länder, die ja gewiss das Auge schulen, die Begegnung mit Leuten anderer Kulturkreise haben wohl zu Deiner Art der Malerei beigetragen?
SN: Reisen war für mich wie ein Sammeln und Speichern von Farben, Formen, Landschaften, Situationen. Anhand von Skizzen und aus der Erinnerung habe ich dann das Gesehene im Atelier in eigene Bilderwelten umgesetzt.
DB: Dein Hauptaugenmerk richtet sich auf Menschen, meist in Gruppen, zum Teil aufgeteilt in Rastern und Kästen, eine Isolierung oder Ordnung?
SN: Es gibt immer eine Anregung oder Geschichte zu den Bildern, auch Momentaufnahmen. Die Serie der „Kästchenbilder“ erstand in Paris, Sylvester. Beleuchtete Häuser, Silhouetten der Menschen in Fenstern, einzeln oder in Gruppen waren die Hauptmerkmale dieser Nacht für meine Malerei. Die vielen Menschen auf der Champs d’Elysee und in der Metro waren ebenfalls Motiv gebend. Deshalb kann von einer vom Künstler gewollten Isolierung oder Ordnung nicht gesprochen werden, es ist eher die Wiedergabe der Faszination des Moments.
DB: Für mich ist reizvoll in eigenen Bildern die Beimengung von nicht definierten Formen zu konkreten Gestalten, ergibt sich das während der Arbeit?
SN: Beim Malen verbinde ich gerne Realität und Fantasie. Dadurch entstehen spezielle Formen. Theater, Oper und Ballett, aber auch Märchen sind ein schöner Fundus für fantasievolle Darstellungen der beim Malen immer unterschwellig präsent ist.
DB: Auffallend für mich ist die Tatsache, dass Du auf die Landschaften der bereisten Länder selten eingehst?
SN: Ich bin kein Landschaftsmaler, jedoch die Lichtverhältnisse und Farben inspirieren mich. Daraus wird in meinen Arbeiten eine eher generalisierende Darstellung des Gesehenen und kann deshalb vom Betrachter mit seinen eigenen Erfahrungen oder Erlebnissen verknüpft werden. Das ist durchaus Absicht. Beispiel: was für den Einen tunesisch wirkt, empfindet ein anderer als arabisch und ein Dritter als afrikanisch.
DB: Wie gehst Du an die Ausführung eines Bildes heran, ist es plötzliche Eingabe, die Dich zur Arbeit treibt, sind es reizvolle Beobachtungen, sind es neue Materialien oder ist es einfach die Lust und Besessenheit für die Malerei an sich?
SN: Eigentlich hast Du viele meiner Gründe bereits aufgezählt. Ich nehme aber auch gerne an Wettbewerben teil, da die dort gestellten Themen eine besondere Herausforderung darstellen und eine spannende Auseinandersetzung erfordern. Meine jüngste Reise nach Australien war Motivation die Erdfarben aber auch Türkis und Blau in meine Bilder aufzunehmen. Auch die Ereignisse des 11. September 2001 haben mich spontan zu einem Bild bewegt. Vorbereitete Untergründe von Leinwänden verleiten mich manchmal zur Gestaltung von Geschichten oder Kompositionen von Farben, Formen und Strukturen.
DB: Deine jüngsten Bilder malst Du mit goldfarbigen Teilen und Hintergründen. Dies erinnert mich an Ikonen und mittelalterlicher Kunst. Dort ist damit die Unendlichkeit angedeutet. In Deinen neuen Bildern ist das für mich ein anregender Anstoß, sich in der eigenen Vorstellung die Hintergrundszene auszumalen. Liege ich da richtig oder ist Gold einfach nur festlich?
SN: Ich habe auf meinen Reisen viel Geschichtliches aus Gold gesehen, Ägypten, Inkas, Ikonen zum Beispiel. Die Leuchtkraft und das Dauerhafte dieses Materials beeindruckt mich und gibt Anregungen für Kompositionen.
DB: Deine ungegenständlichen Arbeiten mit Gravuren auf zartfarbiger Fläche heben sich als andersartige Technik und Ausdrucksweise von den Menschengruppen ab. Ist dies eine Atempause vom figürlichen Tun?
SN: Ich möchte mich nicht auf ein Sujet festlegen, da ich Gegensätze liebe. Es gibt von mir Serien von abstrakten Blumenbildern, monochrome Bilder, Bilder mit Sand, Städtebilder und „Palettenbilder“. Letztere entstanden ursprünglich, im Kleinen, durch Zerteilung der Farben auf der Palette mit dem Spachtel. Die resultierenden Strukturen habe ich dann auf große Formate übertragen.
DB: Auch die Kombination von Gravuren und Figuren ist eine interessante Variation. Ist dies Lust an Destruktion oder der Versuch der realistischen Darstellung eine abstrahierte und gedämpfte Wirkung zu geben?
SN: Weder noch. Es entspricht meinem Interesse am Kombinieren von Techniken einerseits, aber auch meiner Neugier nach neuen Ausdrucksformen. Bestimmte Elemente meiner Malerei sollen auch einen Wiedererkennungswert haben und werden deswegen immer wieder neu kombiniert, z.B. Schriftzeichen und Symbolen, aber auch Gitterstrukturen.
DB: Du engagierst Dich auch im sozialen Bereich mit Workshops für Erwachsene. Ist das nur ein Weitergeben von Fertigkeiten oder auch Anregung für die eigene Arbeit?
SN: Ich male seit einigen Jahren mit psychisch Kranken und seit kurzem mit Parkinson Patienten. Es ist für mich ein Geben und Nehmen und sehr schön, die Arbeiten dieser Schüler entstehen zu sehen, ihren Ideenreichtum zu fördern und ihre Freude am Erreichten zu beobachten. Gleichzeitig möchte ich meine eigene Freude an der Malerei weitergeben. Vor einigen Tagen wurde eine Ausstellung der Arbeiten der psychisch Kranken im Franziskushaus der Caritas in Bensheim eröffnet und fand großen Anklang.
Redaktionelle Bearbeitung & Fotos:
Dr. Claus-Peter Böhner-Fery
Die Austellung dauert bis Ende Dezember 2007
Öffnungszeiten: rund um die Uhr zu den Hotelzeiten
Galerie im Steubenhof Hotel
Steubenstrasse 66
68199 Mannheim
Tel. 0621-81910-0

