Rainer Magold

In Karlsruhe geboren, ist Rainer Magold in einer Welt der modernen Malerei aufgewachsen. Sein Vater (Maler der Akademie der Bildenden Künste/München und Gründer der Südpfälzischen Kunstgilde) gab ihm vieles weiter, insbesondere das Talent, Emotionen, Lyrik und Meditation expressiv und abstrakt zu malen. Er ermöglichte es ihm vielen Künstlern in Deutschland und Frankreich zu begegnen. Schon früh begeisterte Magold sich auf Ausstellungen in Strassburg und Paris für Turner, Picasso, Jean Arp. Dem folgten mit 17 Jahren Studienreisen nach München, Venedig und Rom. Einer ersten eigenen Ausstellung in London (1970) folgten Studienaufenthalte oder Ausstellungen in Italien, Marokko/Algerien/Tunesien, Sao Paulo/ Brasilien, Dänemark/Schweden, Frankreich/Holland/Belgien, China, Hongkong, Jugoslawien, Israel, Schweiz, Barcelona/Madrid, Österreich, Sri Lanka; zuletzt 2009 in Mannheim und Berlin.
Prof. Joseph Beuys bestärkte Rainer Magold in der „Freien internationalen Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung e. V“ konsequent seinen eigenen unabhängigen Weg zu gehen. Er hat mit vielen international bekannten Designern und Künstlern
gearbeitet; 2009 z. B. mit Elvira Bach, Prof. Thomas Hornemann (Berlin), Prof. Fritz Dickgiesser (Kunstakademie Düsseldorf) und Prof. Markus Lüpertz.

Sein Atelier war im Anwesen Barthélemy, seit über 200 Jahren eine Kraftquelle vieler internationaler Künstler. Dieser Tradition ist der Maler Rainer Magold verbunden. Schon früh entwickelte seine eigenen Methoden und Techniken. Er ist heterogen in seinen vielseitigen Techniken aber immer homogen und konsequent in der mystischen Thematik. Nach 50 Jahren Erfahrung als Maler verbindet Rainer Magold den klassischen Deutschen Expressionismus mit abstraktem Expressionismus in seiner einzigartigen Handschrift, die in emotionalen Portraits und abstrakten Landschaften deutlich wird.


Seine Bilder hängen bei Kunstsammlern in der ganzen Welt, z. B. in Frankreich, Hongkong/China, Italien, London/Großbritannien, Wien, Salzburg/Ostereich, Sao Paulo/Brasilien, Lausanne/Schweiz, New York/USA.
Heute lebt und arbeitet er in der Südpfalz an der französischen Grenze.
Galerist Mathias Beck über Rainer Magold:
"Rainer Magold - in Karlsruhe geboren und seit nahezu 50 Jahren sozusagen am Malen, er bestritt seine erste Ausstellung 1970 in London – ist auf den ersten Blick einerseits eigentlich ein typisches Malerschwein in der Tradition des sogenannten Abstrakten Expressionismus, ist andererseits eigentlich ganz unmittelbar vom Deutschen Expressionismus in der Ausprägung der Neuen Wilden der 80er Jahre beeinflusst.
Sprechen wir deshalb über andererseits, auch wenn wir damit die Chronologie umkehren, sprechen wir über die Frauenbilder Rainer Magolds.
Als sehr europäische Reaktion auf die gesellschaftskritischen und politisch rezipierten Strömungen des Realismus (der sich in den 70er Jahren bis zum Hyperrealismus steigerte) fanden sich Ende der 70er Jahre einmal an der Ruhr und zum anderen in Berlin Künstler zusammen, die diese intellektualisierte, mittlerweile eher manieristische und blutleer und müde gewordene Malerei der Realismusströmungen durch neue zeitgemäße Ansätze konterkarieren wollten.
So wie sich zu dieser Zeit in der deutschen Popmusik die „Neue Deutsche Welle“ herausbildete, die ihrerseits zurückgriff auf die Cabaret- und Gassenhauer-Struktur von Liedern, so griffen diese Maler auf den Deutschen Expressionismus zurück und machten daraus die Malereibewegung „Die Neuen Wilden“. „Die Neuen Wilden“ ist ein Recours auf den Schmähbegriff „Les Fauves“ (eben die Wilden).
Das zweite deutsche Zentrum dieser Bewegung gründete sich zur selben Zeit an der Ruhr, dort nannte man sich „Mülheimer Freiheit“.
Es ging den neuen Wilden darum, Farbe und Bild als sinnlich erfahrbar darzustellen, nicht bloß mit den Mitteln des Intellekts, und es ging darum, in Bildern einen Ausdruck für die Dinge zu finden, die sonst in der Wirklichkeit nicht sichtbar sind. Dies geschah – ganz nach dem Vorläufer – zB durch Farbgebung nicht nach der Natur, zB durch die anatomisch nicht korrekte Darstellung von Körpern, zB das berühmte Längen von Extremitäten usw usw, um Wut, Verzweiflung, Freude, Ekstase bildnerisch darstellend einfließen zu lassen.
Wichtige Vertreter waren und sind ua Elvira Bach und Markus Lüpertz, zu denen Rainer Magold heute engeren Kontakt pflegt.
Die Frauen Magolds sind oft ekstatisch dargestellt, in sexueller Ekstase begriffen. Natürlich ist eine Situation im Rahmen der Sitzung von Aktmodell und Maler nicht denkbar, bei der das Modell einen Orgasmus erfährt, während der Maler das innerhalb der paar Sekunden, die der Orgasmus nun einmal dauert, genau nach der Natur einzufangen vermochte. Tatsächlich sitzen und posieren die Modelle recht brav – und vor allem still, ruhend, konzentriert, damit der Maler Rainer Magold selbst konzentriert die Anatomie erfassen, die Farbtemperatur bestimmen, die Flächenorgansiation durchführen kann, damit das Bild gelingt. Woher also kommt der Gesichtsausdruck?
Rainer Magold lädt seine Frauenportraits emotional und psychisch auf, indem er sie darstellt. Es ist tatsächlich eine Person (das Modell, eine Frau) gesehen durch ein Temperament. Und bildnerisch dargestellt, wird aus dem Motiv eine Angelegenheit vor allem der Psyche, der sinnlichen Erfahrung, der Empathie und der Temperatur (hier als Grad der seelischen Gestimmtheit).
Und deshalb sprechen wir über das einführende „Einerseits“, nämlich über Rainer Magold als Nachfolger und Vertreter des Abstrakten Expressionismus.
Allen Ausprägungen des abstrakten Expressionismus war gemeinsam, dass das Gefühl, die Emotion und die Spontaneität wichtiger waren als Perfektion, Vernunft und Reglementierung. Die Darstellungsweise war abstrakt, teilweise auch abstrakt-figurativ. Die Maltechniken wurden variiert und der Farbauftrag auf den Malgrund wurde mit Pinseln, Behältern und Eimern vollzogen, und in der Hauptsache ohne gleichzeitige intellektuelle Reflektierung dessen, was im Malen geschieht.
Abstrakter Expressionismus ist also zuerst ein Mal ein Konzept, Kunst in spontaner Weise und ohne die Beschränkung durch herkömmliche Formen auszuführen.
Entwickelt hat sich in den späten 40er Jahren dieser konzeptionelle Ansatz einer neuen Malerei aus der surrealistischen Haltung zur freien Schaffung, wie sie im automatischen Schreiben und Zeichnen verwirklicht wurde.



Eigentlich müsste der Abstrakte Expressionismus auch gegenstandsloser Expressionismus heißen. Picasso war ein großer Abstrakter, weil er sich stets an der vorgefundenen Wirklichkeit orientierte. Das, was er malte, hatte er auch gesehen. Und abstrakt kommt von abstrahieren, das heißt dem Wortsinn nach: Von der Wirklichkeit wegnehmen, meint: Das, was zur Erfassung einer Szene oder einer Sache wenige Wichtige bleibt bestehen, das Weniger Wichtige wird weggelassen, abgezogen.
Bei der Gegenstandslosen Malerei geht es nur um Fläche und Farbe, man sagt auch um die Organisation von Farbe in der Fläche, wobei das im Grunde für alle Malerei gilt.
Wenn Magold so malt, so bemüht er sich im Malprozess um den Ausdruck von seelischen Gegebenheiten, die nicht in Worte, sondern in Form gefasst werden.
Alles Erfahrene, Erlebte, Erdachte, Erträumte fließt ein, und zwar ohne Reflexion des Bewusstseins. Er sagte gestern selbst, dass er den Malprozess danach eigentlich nur anhand der geöffneten Farbeimer und Tuben und nur äußerlich nachvollziehen könne.
Man könnte sagen, dass Rainer Magold das Bewusstsein beiseite lässt, dafür denkt seine Hand.
Aber genau das passiert auch bei den Frauenbildern, nachdem der Malprozess sozusagen in Gang gekommen ist.
Ekstase ist das einzige positive Wort, das wir kennen, für den Umstand, das Bewusstsein zugunsten einer anderen, besseren Anwesenheitsebene ausgeschaltet zu haben.
Gegenworte wären zB Ohnmacht. Aber ohnmächtig lässt sich kein Bild malen.
Ich finde aus diesem Grund beide Aspekte seines Schaffens gehören auf jeden Fall zusammen, weil sie nur zwei unterschiedliche Ausprägungen des künstlerischen Temperaments sind. Einmal mehr sich selbst zugewandt in der Gegenstandslosigkeit, einmal mehr der Welt zugewandt in den Frauenbildern.
Für uns, die wir seine Bilder betrachten, erweist sich in der Betrachtung, was uns zuträglicher ist. Ich finde in dieser Ausstellung wirklich grandiose Malerei, so oder so – gefühlt und gemalt."
