Keiko Ito

DER ZAUBER DER TRANSPANRENZ: ÜBER KEIKO ITO’S GLASKUNST

Glas ist heutzutage ein ganz alltäglicher Werkstoff. Doch befasst man sich mit der Geschichte seiner Entstehung, wird man entdecken, dass dieser Stoff vor einigen Jahrhunderten noch mit Gold aufgewogen wurde. Erst um 1500 wurde in Venedig die Rezeptur wiederentdeckt, mit der es gelang, transparentes Glas herzustellen, wie es uns heute tagtäglich umgibt. Im Mittelalter gab es nur grünes, trübes Glas oder extrem teures, blaues, das aus Byzanz importiert worden war.

Die Herstellung von hochtransparentem farblosem Glas war den Römern geläufig. Doch dieses Wissen ging mit dem Untergang des Imperium Romanum den Menschen verloren. Als die Venetianer in der Renaissance das Geheimnis der römischen Glasproduktion wiederentdecken, hüteten sie es wie einen Schatz.

Nur auf einer kleinen Insel Murano in der venezianischen Lagune durften die Glasmacher leben und arbeiten. Es war ihnen verboten, diese Insel zu verlassen. Erst hundert Jahre später gelang es ihren böhmischen Konkurrenten durch geschickte Spione an die Rezeptur des farblosen Glases zu gelangen und im Böhmerwald eine entsprechende Produktion zu etablieren, die bald den Venezianern den Rang ablief.

Ob es in Japan, woher die Glaskünstlerin Keiko Ito stammt, eine ähnlich spannende Geschichte um das Glas gibt, ist nicht zu vermuten, denn in ihrer Vita zählt sie drei Namen auf, die in punkto Glasproduktion für sie Vorbildfunktion haben. Und dies sind Baccarat, Daum und Lalique. Zwei dieser Namen lassen sich in einer französischen Stadt zusammenführen, in der in Lothringen gelegenen Kunstmetropole Nancy.

Im Jahr 1764 erteilte der französische König Ludwig XIV. dem Bischof der kleinen Stadt Baccarat die Erlaubnis, eine Glasmanufaktur zu gründen. Das gleichnamige börsennotierte Unternehmen existiert bis heute und hat in Nancy seinen Firmensitz. Dort ist auch die Glasmanufaktur der Gebrüder Daum beheimatet, die 1878 gegründet wurde.

Der Glaskünstler René Jules Lalique, dessen feingliedrige, libellenartige Glaskunstwerke zu einem Signe für die Art Deco wurde, lebte in Paris und ließ sich von der dortigen Avantgarde künstlerisch inspirieren. Solche hochprofessionellen Arbeiten wie eben aufgezählt haben es der Künstlerin angetan. Keito Ito war vom Werkstoff Glas fasziniert, als sie zum ersten Mal das filigran gravierte Material vor sich hatte, wie es von diesen Manufakturen in höchster Präzision hergestellt wird.

Mit dem Verweis auf Lalique und die Pariser Avantgarde greift sie einmal mehr die Wechselbeziehung auf, die zwischen der europäischen und der japanischen Kultur im 19. Jahrhundert bestand. Ohne den Einfluss, den japanische Künstler damals auf ihre Kollegen in Europa ausgeübt hatten, wäre eine solche handwerkliche Blüte, wie sie in der Internationalen Stilkunst um 1900 in vielen Ländern zu beobachten ist, nicht denkbar.

Angesichts dieses kunsthistorischen Vermächtnisses erscheint es besonders eindrucksvoll, wenn eine zeitgenössische Künstlerin diese Synthese aufgreift und neu interpretiert. Sie graviert das Glas mit kunstvollen Gebilden, die den edlen Charakter des Werkstoffes besonders hervorheben. Dabei orientiert sie sich an Naturformen, zum Beispiel an hauchzarten Vogelfedern oder an den filigranen Mustern der Blätter, die in die harte Oberfläche des Glases eingraviert werden. Auf diese Art und Weise entstehen Vasen, Schalen, Teller, Gläser, Skulpturen und auch Wandbilder.

Sorgfältig achtet sie dabei auf die Gesamtstimmung der einzelnen Werke. So sind Größe und Form der Glaskörper, in die diese vielschichtigen und feinmaschigen Netze eingewebt sind, ebenso ausschlaggebend für die Gesamtwirkung wie die Glasgravur selbst, bei der durch raffinierte Überlagerungen spannende, dreidimensionale Wirkungen erreicht werden.
Die hochwertigen Gläser bezieht sie von namhaften Herstellern, die nach den bewährten Verfahren handwerklich arbeiten. Sowohl der Werkstoff als auch die hauchzarten Zeichnungen fordert sowohl ein hohes Maß an Erfahrung als auch Geduld. Denn die Arbeitsprozesse erfordern viel Zeit, um zu Strukturen zu gelangen, die frei im Raum zu schweben scheinen.

Für ihre Arbeit fand die Künstlerin internationale Anerkennung. So ist sie Ehrenmitglied der Königlichen Gesellschaft Britischer Künstler. Sie stellte in vielen internationalen Galerien aus, so in Wien, Dubai, Abu Dabi, Paris, London und Genf. Aktuell sind Arbeiten von Keiko Ito in einer Ausstellung der Mannheimer Galerie Böhner im Kunstraum Gerdi Gutperle in Viernheim zu sehen in einer Gemeinschaftsausstellung mit weiteren japanischen Künstlern. Die Ausstellung kann noch bis Jahresende besichtigt werden.

Text: Dr. Helmut Orpel

1_Lily_galerie2_Rose_galerie3_Barn_Owl_galerie4_Eagle_galerie5_Braves_galerie6_Hanaemaki_galerie7_Leaf_and_Butterfly_galerie8_Peacock_Garden_galerie9_Magnolia_galerie10_Leaf_galerie11_Feather_galerie12_Flower_Garland_galerie13_Duerer_galerieDSC_0133_galerieDSC_0141_galerieDSC_0283_galerieDSC_0296_galerie
NextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnail

 

 

Katalog ansehen

 

Pressetext ansehen

 

Pressetext ansehen

 

Zurück zu den Künstlern