Walter Dorsch

Das Ziel meiner Kunst ist ein Dialog mit dem Besucher

Viele Künstler waren Ärzte, viele Ärzte wurden zu Künstlern. Es scheint, als ob die intensive Beschäftigung mit Patienten als Individuen das Bewusstsein für das schärft, was wirklich im Leben zählt. Der Arzt Walter Dorsch (Professor für Kinderheilkunde, Jugendmedizin, Atemwegsmedizin, Allergologie und Naturheilkunde) steht in engem Kontakt mit vielen unterschiedlichen Menschen: Kinder mit strahlenden Gesichtern, glücklichen Eltern, liebenswerten Jugendlichen; aber er hat auch die schattenhafte Seite des Lebens erlebt: das Verschwinden des Einzelnen in der Masse, Eifersucht, Willkür, Feigheit, Ehekrieg usw. Der Künstler Walter Dorsch beschreibt, was er sieht: „La condition humaine“.

Ich arbeite hauptsächlich mit Bronze, Holz und Eisen, forme daraus anthropomorphe Skulpturen, oft in Gruppen oder in einer Maschine, die unsere menschliche Verfassung beschreibt („la condition humaine“). Lichtzeichnungen in Schwarz und Weiß, digital überarbeitete Farbfotos, Kurzfilme mit musikalischer Begleitung, Bücher und Ausstellungen mit teils ernsthaften, teilweise humorvollem Hintergrund ergänzen meine Kunst. Das Ziel meiner Kunst ist ein Dialog mit dem Besucher. ART @ WORK lädt ein zur aktiven Teilnahme und zur Diskussion über Kunst, Philosophie, Politik, Geschichte und Psychologie. Spielen Sie mit den Bronze- oder Holzfiguren, ordnen Sie sie nach Belieben an und stellen Sie ihre eigenen Gedanken, ihre Gefühle, ihre Situation dar! Bewegen Sie die Mechanik der Maschinenkunstwerke! Vielleicht wird ein Blick auf die Bilder Sie an politische, philosophische, psychologische oder andere Themen erinnern, die Sie beschäftigen. Schauen Sie die Filme an, die manchen Zustand beschreiben, den Sie kennen. Besuchen Sie unsere Ausstellungen und freuen sich einfach an Figuren, Mechanik, Filmen, Bildern, Büchern und Diskussionen.

Walter Dorsch richtet sein künstlerisches Schaffen ganz auf den Menschen aus. Dabei greift er auf unterschiedliche Ausdrucksmedien zurück, allen voran seine Bronzeskulpturen. Begleitet werden diese von Fotografien und kurzen Filmsequenzen.
Seine Bronzen sind nicht monumental und schaffen somit keine Distanz, sondern Nähe zum Betrachter. Charakteristisch ist in diesem Zusammenhang Walter Dorschs amorphe Formensprache, die eine bemerkenswerte Ursprünglichkeit besitzt. Es ist nicht die Suche und das Streben nach Vollkommenheit oder gar Perfektion, die sich in seinen Werken offenbaren – sie sind eines: zutiefst menschlich. Durch diese ineinander übergehenden Formen entsteht Individualität, ohne aber ein konkretes Individuum zu benennen. Typus und Einzigartigkeit schließen sich folglich nicht aus, sondern ergänzen sich und führen – buchstäblich – zu einem Menschenbild, das universell begreifbar ist.
Inhaltlich schlägt Walter Dorsch kritische, genauso wie affirmative, humoristische, teils ironische Töne an. Dies offenbart sich in seinen Fotografien und seinen Kurzfilmen auf besondere Art und Weise. Er bettet seine Skulpturen in kleine Geschichten und Szenerien ein, begleitet durch passende Musikarrangements und Texte, die aktuelle Themen aus Politik und Gesellschaft aufgreifen, wie zB in dem Kurzfilm „moneymaker’s cakewalk or: Goldman Sachs, JP Morgan and the muppets“, in dem er sich mit Gier, Geld und dem Finanzsystem auseinandersetzt. Aber auch die eingangs genannte humanistische Prägung zeigt sich in den Filmsequenzen, die den Fokus stärker auf das Individuum setzen. Ein gutes Beispiel ist hierfür das Video „What’s your mask today? What’s your face today?“. Mit neckischen und humorvollem Blick setzt sich Dorsch mit den unterschiedlichen „Rollen“ eines jeden Menschen auseinander: Mehrere seiner aus Bronze gegossenen Gesichter drehen sich zueinander, scheinen in eine Art Dialog zu treten. Dabei haben die Gesichter ganz unterschiedliche Mimik, die mal traurig, mal erstaunt, mal fröhlich wirken und folglich dem Betrachter Freiheit für ganz eigene Sichtweisen und Interpretationen lassen. Beispielsweise müssen wir in unserem Beruf auf eine andere Art „funktionieren“ als in einem intimeren Umfeld; doch auch dort kann es manchmal zu einer „Maskierung“ kommen, hinter der wir – aus welchen Gründen auch immer -unsere eigentlichen Gedanken und Gefühle verbergen. Jedoch erhält diese Filmsequenz eine durchaus ernste Komponente, indem die Musik den einzelnen Bildfolgen Tiefe verleiht.
Auch mithilfe von Fotografie erweitert Walter Dorsch seine Skulpturen um neue Interpretationsmöglichkeiten. Sie sind auch in diesem Medium die Protagonisten seiner multimedialen Form, Kunst zu schaffen. Er verfremdet die Fotografien, sodass die Figuren buchstäblich in neuem Licht erscheinen. Dabei fasst er gelegentlich mehrere Skulpturen in einer Fotografie zusammen, sodass der Eindruck entsteht, die Figuren treten miteinander in Interaktion bzw Kommunikation. Durch das Fehlen von filmischer Bewegung und Musik sind diese Arbeiten reduzierter und abstrahierter. Sie referieren weniger auf Konkretes als auf Allgemeines. Gerade in dem künstlerischen Weiterverarbeiten seiner Bronzearbeiten erreicht Walter Dorsch den Betrachter auf ganz unterschiedliche Art und Weise und bringt ihn dazu, sich immer wieder aufs Neue mit seinem Werk auseinanderzusetzen, neue Wege des Denkens und Fühlens zu entdecken. Gemeinsam bleibt all seinen Arbeiten immer der Mensch, der mit seinen Fehlern akzeptiert, jedoch auch konfrontiert wird. Wir erfahren folglich viel über Walter Dorschs Menschenbild, aber noch weitaus mehr erfahren wir in seinen Arbeiten etwas über uns.

Text: Simon Oos

Mauern-werden-fallen-klein

Many artists were doctors of medicine, many doctors developed into artists. Intensive occupation with patients as individuals would appear to sharpen awareness of what really counts in life. The doctor Walter Dorsch (Professor for Paediatrics, Youth Medicine, Respiratory Medicine, Allergology and Natural Therapy) is in close contact with many and manifold people: children with radiant faces, happy parents, lovestruckt teenagers; but he has also experienced the shadowy side of life: the engulfing of the individual in the mass, jealousy, arbitrariness, cowardice, marital warfare, etc. The artist Walter Dorsch describes what he sees: „La condition humaine“

I am working mainly with bronze, wood and iron forming anthropomorphic sculptures, often in groupes or fixed on a machinery describing our human condition („la condition humaine“). Light drawing in black and white, digitally reworked coloured photographs, short films with musical accompaniment, books and exhibitions with partly serious, partly humourous background round up my kind of arts with multiple facets. The goal of my art is a dialog with the visitor. ART@WORK invites you to active participation and to a discussion about art, philosophy, politics, history and psychology. You should play with the bronze or wooden figures, arrange them as you like, figurize your thoughts, your feelings, your situation! Operate the mechanics of the machine artworks! Give your phantasies and dreams a face. Maybe a look on the pictures will remind you of political, philosophical, psychological or other topics you are engaged with. Follow the films describing the condition humaine you certainly know. Join our exhibitions and enjoy figures,mechanics, films, pictures, books and discussions!

Walter Dorsch focuses his entire artistic work on man. In doing so, he reverts to different expressive media, especially his bronze sculptures. They are accompanied by photographs and short film sequences. His bronzes are not monumental and thus create no distance but proximity to the viewer. Characteristic in this context is Walter Dorsch’s amorphous form-language, which has a remarkable originality. It is not the search and the quest for perfection or beauty, which are revealed in his works – but only one topic: deeply human. Through these interrelated forms, individuality arises without naming a specific individual. The type and uniqueness, therefore, do not exclude one another, but complement each other and lead – literally – to a human image that is universally comprehensible. In content, Walter Dorsch suggests critical, as well as affirmative, humorous, and sometimes ironic tones. This is revealed in his photographs and short films in a special way. He embeds his sculptures in small stories and sceneries, accompanied by appropriate musical arrangements and texts that take up current themes from politics and society, such as the short film „moneymaker’s cakewalk: Goldman Sachs, JP Morgan and the muppets“ And the financial system, but also the humanistic characteristics mentioned at the outset are reflected in the film sequences, which focus more on the individual, a good example of which is the video „What’s Your Mask Today? „. With a mischievous and humorous look, Dorsch deals with the different „roles“ of each person: several of his bronze-cast faces turn to one another, seem to enter into a kind of dialogue, the faces have quite different facial expressions, sometimes sad And thus give the viewer freedom for his own visions and interpretations, for example, we must „work“ in another way in a different way than in a more intimate environment; But there can sometimes be a „masking“ behind which we conceal our real thoughts and emotions – for whatever reason – but this film sequence is a very serious component, as the music lends depth to the individual scenes. Walter Dorsch also expanded his sculptures with new interpretations by means of photography. In this medium, too, they are the protagonists of his multimedial form of creating art. He alienates the photographs, so the characters literally appear in a new light. In doing so, he sometimes collects several sculptures in a photograph, so that the impression arises that the figures interact with each other in interaction. By the absence of cinematic movement and music these works are reduced and abstracted. They refer less to concrete than to general. Walter Dorsch achieves the viewer in a very different way in the artistic processing of his bronze works and makes him continually re-discover his new work, discover new ways of thinking and feeling. Together, all his works are always the man, who is accepted, but also confronted with his mistakes. We therefore learn a lot about Walter Dorsch’s human image, but much more can be learned about us in his works.

Simon Oos

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